Betrieblicher Pflegelotse

Pilotprojekt am KWA Bildungszentrum in Pfarrkirchen mit Mitarbeitern des Landratsamts Rottal-Inn

Pfarrkirchen, im Juli 2017. - Rund 2,6 Mio. Menschen mit Pflegebedarf leben derzeit in Deutschland. Immer mehr Beschäftigte stehen vor der Frage, wie sich die Versorgung eines Angehörigen mit ihrer Berufstätigkeit vereinbaren lässt. Ergibt sich überraschend Pflegebedarf, haben die meisten nur eine vage Vorstellung davon, was auf sie zukommen wird. Viele Arbeitgeber haben diese schwierige Situation erkannt und möchten ihre Mitarbeiter unterstützen. Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml sagt dazu: Arbeitgeber können „wichtige Akzente für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen. Ein geeignetes Instrument sind dafür die betrieblichen Pflegelotsen. Sie signalisieren der Belegschaft, dass die Führungskräfte die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf wirklich ernst nehmen.“

In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Pfarrkirchen konzipierten deshalb Dozenten des KWA Bildungszentrums ein Curriculum für den betrieblichen Pflegelotsen. Dieser ist der erste Ansprechpartner im betrieblichen Umfeld. Er weiß, welche Schritte im Pflegefall zu tun sind, kennt die arbeitsrechtlichen Regelungen der Pflegegesetze und berät zu unterschiedlichen Entlastungsmöglichkeiten. Dabei lotst er zu spezifischen Fachberatungsstellen und bietet so eine erste Orientierung im „Pflegedschungel“. 

Am 3. Juli 2017 startete in Pfarrkirchen das Pilotprojekt „Betrieblicher Pflegelotse“ mit sechs Teilnehmern, allesamt Mitarbeiter des Landratsamtes. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Leiter des KWA Bildungszentrums Karl-Heinz Edelmann erfuhren die Teilnehmer alles Relevante und viel Wissenswertes. Dabei wurde großer Wert auf Praxisnähe und Umsetzbarkeit gelegt. 

Dozentin Katrin Klinglbrunner gab einen Überblick über die Aufgaben eines Pflegelotsen. Sie enden an dem Punkt, bei dem qualifizierte Pflegeberatung beginnt. Zu Maßnahmen, die ein Pflegelotse möglichst kurzfristig ergreifen sollte, gehören beispielsweise die Kontaktaufnahme mit Arzt und Pflegekasse, die Beantragung eines Pflegebetts oder die Nennung möglicher Kurzzeitpflegeplätze. Dozentin Bettina Schmidbauer beschrieb die Rahmenbedingungen der Kommunikation im Beratungsgespräch, wies auf mögliche Ängste und Überforderung hin, welcher man mit einer wertschätzenden Kommunikation begegnen kann. 

Anträge und Pflegegrade erklärte Bianca Brauneis, eine Referentin der AOK Pflegekasse. Zudem erläuterte sie, welche Geld- und Sachleistungen zur Verfügung stehen. Auf Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege ging sie in einem Schwerpunkt ein. Richter Christoph Maier referierte über die Betreuungs- und Vorsorgevollmacht, erklärte zudem den richtigen Umgang mit der Patientenverfügung. Auch die Seniorenbeauftragte des Landkreises, Ursula Müller, ist eine wichtige Ansprechpartnerin. Sie klärte auf über verschiedene Wohnformen im Alter.