KWA Bildungszentrum

Fünf Fragen an Birgit Maischberger

Klassenleiterin und Praxis-Lehrkraft an der Berufsfachschule für Altenpflegehilfe

Pfarrkirchen, 1. Februar 2021

Ihre Schüler erlernen einen sozialen Beruf. Welche besonders schönen Seiten sind mit Altenpflegehilfe verbunden?

Der Beruf ist sehr vielseitig und für unsere Gesellschaft sehr wichtig. Was manche Schüler in dieser Form zum ersten Mal erleben und sie sehr mögen: Wertschätzung und Würde stehen bei uns an oberster Stelle. Eine weitere schöne Seite hier in der Schule: Manchmal haben wir bis zu 40 Jahre Altersunterschied in der Klasse – von 16 bis 56. Diese Kombination mögen die Schüler sehr. Die Älteren können sich wieder jung fühlen, und die Jüngeren können sich auch mal an eine reife Schulter lehnen und von den älteren Mitschülern Antworten bekommen, die junge Menschen nicht geben können. Ich denke, dass alle spüren, dass Menschen jeglichen Alters am KWA Bildungszentrum und in der Altenpflegehilfe willkommen sind. Natürlich auch Menschen verschiedener Herkunft.

Das KWA Bildungszentrum ist für die schulische Ausbildung verantwortlich. Derzeit ist kein Präsenzunterricht möglich. Was hilft bei der Vermittlung des Lehrstoffs jetzt ganz besonders?

Zum einen unser Webex-Programm, das wir für Videokonferenzen nutzen, zum anderen der intensive persönliche Kontakt über das altbewährte Telefon. Manchmal bin ich da sogar eine Art Seelsorgezentrale. Ich berate nicht nur hinsichtlich des Lehrstoffs, sondern auch bei spezifischen Schwierigkeiten, die im beruflichen Alltag schon mal auftreten können. Und wenn ein Schüler sich lange nicht bei mir meldet, rufe ich an, um mich zu vergewissern, dass er bzw. sie mit dem Lehrstoff und der aktuellen Situation zurechtkommt. Unsere Schüler können auch in diesen Zeiten auf uns bauen.

Wer oder was unterstützt Schüler jetzt in der Pandemie im beruflichen Alltag in welcher Weise?

Da wir Praxis-Lehrkräfte im Moment nicht in die Heime gehen dürfen, haben die Praxisanleiter in den Einrichtungen jetzt noch mehr Bedeutung als sonst. Sie geben die notwendige Hilfestellung im Alltag, vermitteln praktisches Know-how. Trotzdem kommen auch jetzt Fragen von Schülern bei mir an, die ich natürlich gerne beantworte. Insbesondere dann, wenn etwas nicht gut läuft, brauchen Auszubildende Rat. Im Gespräch finden sich immer Lösungsmöglichkeiten. Und natürlich suche ich auch aktiv das Gespräch mit Praxisanleitern. 

Was schätzen Sie am KWA Bildungszentrum jetzt und in „normalen“ Zeiten am allermeisten?

Trotz der pandemiebedingten räumlichen Distanz pflegen wir einen guten Zusammenhalt. Wir Lehrkräfte tauschen uns regelmäßig aus, um den Lernfortschritt abzugleichen und Themen abzustimmen. Das kommt auch bei den Schülern an, weil ja oft das eine auf dem anderen aufbaut und Themen fächerübergreifend betrachtet werden. Was ich in normalen Zeiten außerdem sehr schätze, sind die Ausflüge, die Kennenlerntage, Gruppenarbeiten und praktische Übungen. Im Demo-Raum können wir beispielsweise in einem Pflegebett berufliche Aufgaben nachstellen. Der eine versetzt sich in die Lage des alten Menschen, der andere gibt Hilfestellung, der nächste dokumentiert. Aber auch gemeinsame Aktivitäten in der Küche mag ich sehr. Dabei kann man die verschiedenen Kulturen, die bei uns vertreten sind, gut berücksichtigen, unbekannte Rezepte und Geschmacksrichtungen kennenlernen. Damit öffnen wir uns für fremde Kulturen und zeigen Mitschülern mit Migrationshintergrund, dass auch sie am KWA Bildungszentrum herzlich willkommen sind. 

Welche beruflichen Perspektiven haben Altenpflegehelfer/innen langfristig?

Durch den Abschluss erwerben unsere Schülerinnen und Schüler den mittleren Bildungsabschluss und haben dadurch die Möglichkeit, in die dreijährige, generalistische Pflegeausbildung zu gehen. Und wenn sie anschließend drei Jahre als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann gearbeitet haben, können sie sogar ohne Abitur an einer Fachhochschule studieren: Pflegepädagogik oder Pflegewissenschaft. Doch auch ohne Studium sind interessante Fortbildungen möglich: zum Hygienebeauftragten oder zur Wundexpertin, zur Palliativ- oder Gerontopsychiatrischen Fachkraft. Auch Stationsleitung oder Pflegedienstleitung sind schöne Karrieremöglichkeiten. Die Altenpflegehilfe ist ein Einstiegstor. Nach oben hin sind alle Wege offen.

Das KWA Bildungszentrum ist der überregionale Bildungsträger von KWA Kuratorium Wohnen im Alter mit zwei Schulstandorten und insgesamt sechs Fachschulen und Berufsfachschulen in Pfarrkirchen und Bad Griesbach. Zusammen mit den Fortbildungszentren für Pflegeberufe und pädagogische Berufe, sowie dem Fortbildungszentrum Podokolleg nehmen derzeit rund 450 Personen die vielfältigen Bildungsangebote wahr.

 

Gemeinsam Schule gestalten

 

 

Die Schüler der Berufsfachschulen des KWA Bildungszentrums haben die Möglichkeit, sich auf vielen Ebenen aktiv ins Schulleben einzubringen. In der Schülermitverantwortung (SMV) gestalten gewählte Schülersprecher mit Ideen und Engagement die Schulen und das Schulwesen mit. Sie stehen auch bei Fragen, Anliegen oder Vorschlägen gerne als Ansprechpartner zur Verfügung: apsp-smv@kwa.de

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