KWA Bildungszentrum

Fünf Fragen an Désirée Deutsch

Schulleiterin an den Fachschulen für Heilerziehungspflege und Heilerziehungspflegehilfe

Pfarrkirchen, 2. Februar 2021

Ihre Schüler erlernen einen sozialen Beruf. Welche besonders schönen Seiten sind mit Heilerziehungspflege verbunden?

Grundsätzlich sucht der Mensch nach der Sinnhaftigkeit seines Tuns. Darüber müssen unsere Schüler gar nicht nachdenken, der Sinn erschließt sich in der Heilerziehungspflege von selbst. Bei der Heilerziehungspflege-Ausbildung sind pflegerische Komponenten zwar wichtig, doch das Pädagogische steht im Vordergrund. – Dadurch kann man zielorientiert arbeiten und den positiven Effekt seiner Arbeit direkt sehen. Das im Beruf zu erleben, ist unendlich beglückend. Darüber hinaus kann jeder Einzelne eine Weiterentwicklung der noch relativ jungen Disziplin Heilerziehungspflege (HEP) begleiten oder sogar selbst Neues anstoßen.

Das KWA Bildungszentrum ist für die schulische Ausbildung verantwortlich. Derzeit ist kein Präsenzunterricht möglich. Was hilft bei der Vermittlung des Lehrstoffs jetzt ganz besonders?

Normalerweise sind unsere HEP-Schüler an zwei Tagen pro Woche bei uns am Bildungszentrum, an den anderen Tagen in den Einrichtungen, die sie in der praktischen Arbeit ausbilden. Der ständige Wechsel zwischen Schule und Einrichtung wäre hinsichtlich einer möglichen Virenverbreitung derzeit nicht zu vertreten. Bereits im vorigen Sommer haben wir uns auf alle Eventualitäten vorbereitet und ein klar strukturiertes Konzept für Theorie und Praxis erstellt, welches auch ohne Präsenzunterricht und Lehrerbesuch in den Einrichtungen einen kontinuierlichen Lernfortschritt ermöglicht. Das Konzept hat sich sehr bewährt. Da wir auch im Distanzunterricht einem festen Stundenplan folgen, haben Lehrkräfte und Schüler eine große Planungssicherheit. Viel Unterricht findet direkt in Webex-Videokonferenzen statt. Und auf die Lernplattform Moodle stellen wir nicht nur Unterrichtsmaterial, sondern beispielsweise auch Schreiben des Kultusministeriums oder der Regierung von Niederbayern, um unsere Schüler bestmöglich zu informieren.

Wer oder was unterstützt Schüler jetzt in der Pandemie im beruflichen Alltag in welcher Weise?

In normalen Zeiten sind unsere Praxis-Lehrkräfte alle paar Wochen in den Einrichtungen. Das ist das Optimum, gerade jedoch nicht möglich. Ersatzweise gehen unsere Praxis-Lehrkräfte regelmäßig telefonisch oder per Mail in Austausch mit den Einrichtungen, insbesondere mit den Praxisanleitern in den Betrieben. Und mit den Schülern suchen unsere Praxis-Lehrkräfte immer wieder das Eins-zu-eins-Gespräch. Sie haben – bildlich gesprochen – große Ohren und Herzen für individuelle Probleme und Sorgen, unterstützen bestmöglich und beraten Schüler hinsichtlich denkbarer Lösungen. Auch die Klassenleiter sind für unsere Schüler wichtige Kontaktpersonen.

Was schätzen Sie am KWA Bildungszentrum jetzt und in „normalen“ Zeiten am allermeisten?

Die technische Ausstattung – obwohl ich kein Technik-Freak bin. Uns steht gutes Equipment zur Verfügung und wir haben auch gute Schulungen bekommen. Auch die etablierten Kommunikationsstrukturen schätze ich sehr – und die flachen Hierarchien. Das alles erleichtert die Arbeit im Team und mit den Schülern. Schön ist auch, dass wir bei unterschiedlichen Auffassungen im Kollegium immer auf demokratischem Weg einen Konsens finden. Lösungen, die man auf diese Weise findet, tragen dann auch alle mit.

Welche beruflichen Perspektiven haben Absolventen der Heilerziehungspflege langfristig?

Zum einen Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb ihrer Einrichtung. Wir haben viele Absolventen, die schon im Jahr darauf unsere Schüler als Praxisanleiter in den Einrichtungen begleiten und so ihr bei uns erworbenes Wissen an den „Nachwuchs“ weitergeben. Das ist für uns natürlich sehr erfreulich. Beim gemeinsamen Praxisanleitertreffen an unserer Schule gibt es dann ein großes Hallo und große Freude. Die Heilerziehungspflege ist unglaublich vielseitig. Das Spektrum der Klienten reicht vom Kleinstkind bis zum Senior, dabei sind körperliche, geistige und seelische Beeinträchtigungen mögliche Arbeitsfelder. Man kann in einer Förder-Schule arbeiten, in einem Förder-Kindergarten, in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung, in einer Förderstätte oder Werkstatt für Menschen mit Behinderung – oder auch die persönliche Assistenz eines Körperbehinderten übernehmen, auch als Freiberufler Dienste anbieten. Wer mehr erreichen will, kann – auch ohne Abitur – ein Meisterstudium aufsetzen oder eine Ergänzungsprüfung ablegen, um die fachgebundene Hochschulreife zu erlangen, und kann dann beispielsweise Sozialpädagogik oder Kindheitspädagogik studieren. In spätestens zwei Jahren wird es an der Technischen Hochschule Deggendorf – einem Kooperationspartner von KWA – außerdem einen Studiengang „Management für Teilhabe und Inklusion“ geben. Das freut uns ganz besonders, weil wir diesen Prozess mitgestaltet haben.

Das KWA Bildungszentrum ist der überregionale Bildungsträger von KWA Kuratorium Wohnen im Alter mit zwei Schulstandorten und insgesamt sechs Fachschulen und Berufsfachschulen in Pfarrkirchen und Bad Griesbach. Zusammen mit den Fortbildungszentren für Pflegeberufe und pädagogische Berufe, sowie dem Fortbildungszentrum Podokolleg nehmen derzeit rund 450 Personen die vielfältigen Bildungsangebote wahr.

 

Gemeinsam Schule gestalten

 

 

Die Schüler der Berufsfachschulen des KWA Bildungszentrums haben die Möglichkeit, sich auf vielen Ebenen aktiv ins Schulleben einzubringen. In der Schülermitverantwortung (SMV) gestalten gewählte Schülersprecher mit Ideen und Engagement die Schulen und das Schulwesen mit. Sie stehen auch bei Fragen, Anliegen oder Vorschlägen gerne als Ansprechpartner zur Verfügung: apsp-smv@kwa.de

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