KWA Bildungszentrum

Fünf Fragen an Stefan Döring

Praxis-Lehrkraft an der Fachschule für Heilerziehungspflege

Pfarrkirchen, 2. Februar 2021

Ihre Schüler erlernen einen sozialen Beruf. Welche besonders schönen Seiten sind mit Heilerziehungspflege verbunden?

Ich selbst habe mich während meines Zivildienstes zum ersten Mal mit Heilerziehungspflege befasst und dann während meiner Ausbildung gemerkt, wie viel man von den Menschen zurückbekommt, mit denen man arbeitet. Positive Seiten gibt es in Hülle und Fülle, wenn man gerne mit und für Menschen arbeitet. Wichtig ist dabei, dass man immer auf Augenhöhe geht. Am allerschönsten in der Heilerziehungspflege ist, dass kein Tag wie der andere ist. 

Das KWA Bildungszentrum ist für die schulische Ausbildung verantwortlich. Derzeit ist kein Präsenzunterricht möglich. Was hilft bei der Vermittlung des Lehrstoffs jetzt ganz besonders?

Normalerweise ist meine Hauptarbeit als Praxis-Lehrkraft, zu den Schülern in die jeweilige Einrichtung zu fahren, sie beim Arbeiten zu beobachten und mit ihnen darüber zu sprechen. In Zeiten von Kontakt- und Besuchsbeschränkungen haben wir entschieden, das in diesem Schuljahr nicht zu tun – um zu vermeiden, dass wir das Virus unwissentlich von der einen Einrichtung zur nächsten tragen. Deshalb bin ich froh, dass wir außer Mails und Telefonaten auch die Möglichkeit zu Videokonferenzen mit den Schülern haben. Das hilft uns enorm. Das läuft dann beispielsweise so ab, dass die Schüler zunächst ein Konzept zu einer geplanten Aktivität verfassen, dies dann in der Einrichtung umsetzen. Und im dritten Schritt gehen wir in einer Videokonferenz gemeinsam in die Reflexion, reden über ihre praktischen Erfahrungen, alternative Ideen zur Umsetzung und mögliche Problemlösungen. 

Wer oder was unterstützt Schüler jetzt in der Pandemie im beruflichen Alltag in welcher Weise?

Viele Schüler sind durch die Pandemie verunsichert, deshalb sind Gespräche mit ihnen, aber auch mit den Praxisanleitern der Einrichtungen jetzt ganz besonders wichtig. Das gibt uns in dieser unsicheren Zeit einfach mehr Sicherheit. Außerdem haben wir für dieses Schuljahr ein Berichtsheft eingeführt, sodass wir relativ gut nachvollziehen können, womit sich die Schüler im beruflichen Alltag befassen. Wenn wir Defizite entdecken, kümmern wir uns darum. Nur so können Schüler auch jetzt in der Pandemie ihre Lernziele erreichen und die Ausbildung auf einem guten Niveau bleiben. Dabei verfolgen wir Lehrkräfte vom KWA Bildungszentrum das Prinzip: So wenig Druck wie möglich, so viel Bildung wie möglich.

Was schätzen Sie am KWA Bildungszentrum jetzt und in „normalen“ Zeiten am allermeisten?

Jetzt und auch in normalen Zeiten schätze ich ganz besonders den interdisziplinären Austausch von Theorie- und Praxislehrern, aber auch den Austausch mit den Schülern. Wir haben am Bildungszentrum eine gut entwickelte Gesprächskultur, können sehr gut miteinander reden. Was ich auch sehr positiv sehe: Wir haben zu Schuljahresbeginn klare Richtlinien zum Unterricht an die Hand bekommen; dadurch können wir flexibel und eigenverantwortlich arbeiten. Das ist sehr wertvoll, auch für die Schüler. 

Welche beruflichen Perspektiven haben Absolventen der Heilerziehungspflege langfristig?

Die Arbeitsmöglichkeiten sind vielfältig. Im Wort selbst steckt ja schon drin, dass es um Erziehung und Pflege geht. Heilerziehungspfleger werden nicht nur in Förder-Kindergärten und in der Behindertenhilfe gebraucht, sondern können nahezu in allen Bereichen als pädagogische Fachkraft arbeiten. Auch fachbezogene Studien sind im Anschluss möglich. Ehemalige Kollegen von mir, die mit Heilerziehungspflege angefangen haben, sind inzwischen Sozialpädagogen oder Heimleiter. Eine andere interessante Perspektive ist, dass man zum Sprachrohr für Menschen mit Einschränkungen werden und Verantwortung für Inklusion übernehmen kann. Dieser Aspekt trat während der Pandemie in den Hintergrund. Wir sollten Inklusion aber möglichst bald wieder in den Fokus nehmen, damit Menschen mit Einschränkungen wieder mehr gesehen und einbezogen werden. Übrigens gibt es in diesem Bereich auch immer mehr Stellenangebote. Man kann dann beispielsweise als Inklusionsbeauftragter arbeiten – oder sich selbstständig machen, um Menschen im Alltag zu unterstützen. 

Das KWA Bildungszentrum ist der überregionale Bildungsträger von KWA Kuratorium Wohnen im Alter mit zwei Schulstandorten und insgesamt sechs Fachschulen und Berufsfachschulen in Pfarrkirchen und Bad Griesbach. Zusammen mit den Fortbildungszentren für Pflegeberufe und pädagogische Berufe, sowie dem Fortbildungszentrum Podokolleg nehmen derzeit rund 450 Personen die vielfältigen Bildungsangebote wahr.

 

Gemeinsam Schule gestalten

 

 

Die Schüler der Berufsfachschulen des KWA Bildungszentrums haben die Möglichkeit, sich auf vielen Ebenen aktiv ins Schulleben einzubringen. In der Schülermitverantwortung (SMV) gestalten gewählte Schülersprecher mit Ideen und Engagement die Schulen und das Schulwesen mit. Sie stehen auch bei Fragen, Anliegen oder Vorschlägen gerne als Ansprechpartner zur Verfügung: apsp-smv@kwa.de

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