KWA Bildungszentrum
KWA Bildungszentrum

Fünf Fragen an Clarissa Michalke

Schülerin der Fachschule für Heilerziehungspflege, Mittelkurs

Pfarrkirchen, 4. Februar 2021

Sie erlernen einen sozialen Beruf. Welche besonders schönen Seiten sind mit Heilerziehungspflege verbunden?

Ich arbeite in einem Wohnheim für Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung. Da weiß man nie, was einen erwartet. Jeden Tag ist eine Überraschung dabei, da wird es nie langweilig. Auch die oft sehr intensive Arbeit mit unseren Klienten mag ich sehr. Wir versuchen ja, ihre Fähigkeiten auszubauen bzw. zu erhalten, je nach Alter. Aber auch in schwierigen Lebenssituationen spüre ich, wie wichtige meine Arbeit ist. Als die Mutter einer Klientin, die eine leichte geistige Behinderung hat, verstorben ist, war das für die Tochter ein Schock. Sie wusste zwar, dass die Mutter erkrankt war und auch, dass der Tod in Zusammenhang mit dem hohen Alter stand, trotzdem brauchte sie jemanden, der ihr beisteht. Ich habe sie in der Trauerphase begleitet und versucht, eine Stütze zu sein. Es gibt einem ein gutes Gefühl, wenn man merkt, wie man jemandem auch in schwierigen Lebensphasen helfen kann. 

Das KWA Bildungszentrum ist für die schulische Ausbildung verantwortlich. Derzeit ist kein Präsenzunterricht möglich. Was hilft Ihnen beim Erfassen des Lehrstoffs jetzt ganz besonders?

Es war ja schon im vorigen Schuljahr teilweise kein Präsenzunterricht, ich habe mich inzwischen daran gewöhnt. An diesem Schuljahr schätze ich die Videokonferenzen sehr, und, dass ich einen festen Stundenplan habe. Ich weiß, wann meine beiden Schultage sind, welche Fächer ich wann habe, und auch, wann wir uns im virtuellen Klassenzimmer treffen. Da kann ich meine Lehrer auch mal sehen und ihnen direkt in die Kamera Fragen zum Lehrstoff stellen. Wir tauschen uns da nicht nur über Fachliches und Aufgaben aus, sondern auch darüber, wie es einem in der Arbeit gerade geht. Wenn doch einmal vom Plan abgewichen wird oder in puncto Ablauf etwas unklar ist, sind die Lehrkräfte gut per Mail erreichbar und sorgen für Klärung.

Wer oder was unterstützt Sie jetzt in der Pandemie im beruflichen Alltag in welcher Weise?

Die Reflexion meiner Arbeit in einer Videokonferenz mit der Praxis-Lehrkraft gibt mir ein gutes Gefühl, zeigt mir, wo ich stehe. Im beruflichen Alltag ist aber vor allem meine Praxisanleiterin gerade besonders wichtig. Da mein Praxis-Lehrer derzeit ja nicht in die Einrichtung kommen darf, gibt ihm meine Praxisanleiterin Feedback zu meiner Arbeit und stellt dadurch sicher, dass ich Noten bekommen kann. Auch sonst ist meine Praxisanleiterin sehr wichtig für mich. Bei allen Schwierigkeiten oder Unsicherheiten im beruflichen Alltag kann ich mich direkt an sie wenden. Seit wir die Pandemie haben, kommen ja jede Woche neue Regeln und Vorgaben, wie man was handhaben soll. Daraus ergeben sich oft viele Fragen, die sie mir dann beantwortet. Wer in der Arbeit andere Probleme hat, kann sich aber jederzeit an seine Praxis-Lehrkraft im Bildungszentrum wenden. 

Was schätzen Sie am KWA Bildungszentrum jetzt und in „normalen“ Zeiten am allermeisten?

Am meisten schätze ich die Begegnung auf Augenhöhe. Ich hatte nie das Gefühl, die kleine Schülerin zu sein, die nichts weiß und belehrt wird. Es ist immer ein gemeinsames Lernen. Was ich ganz toll finde, ist, dass wir, und auch andere Klassen, altersgemischt sind. In meiner Klasse ist von 18 bis knapp über 50 alles dabei. Dadurch bekommt man ganz viele verschiedene Sichtweisen. Da viele Berufserfahrung aus einem ganz anderen Bereich mitbringen, haben sie oft auch andere Ideen zur Freizeitgestaltung von Menschen mit Behinderung. Wer beispielsweise als Handwerker gearbeitet hat, ist meistens sehr praktisch veranlagt, kann gute Tipps zu Materialien und Werkarbeiten geben.

Welche beruflichen Perspektiven haben Sie als Heilerziehungspflegerin langfristig?

Als heilpädagogische Fachkraft habe ich in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung die Perspektive auf einen sicheren Arbeitsplatz – in einem Wohnheim, in einer Werkstatt, in einer Förderstätte oder in einer Schule für Kinder mit Behinderung. Dieser Beruf wird immer gefragt sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er jemals durch eine Maschine oder einen Roboter ersetzt werden kann. Und natürlich gibt es auch viele Fortbildungsmöglichkeiten, bis hin zu einem pädagogischen Studium, sofern man den entsprechenden Ehrgeiz hat und die Hochschulreife erwirbt. Wer sich dafür besonders interessiert, kann in den Antworten von Frau Deutsch und Herrn Döring noch mehr dazu erfahren.

Das KWA Bildungszentrum ist der überregionale Bildungsträger von KWA Kuratorium Wohnen im Alter mit zwei Schulstandorten und insgesamt sechs Fachschulen und Berufsfachschulen in Pfarrkirchen und Bad Griesbach. Zusammen mit den Fortbildungszentren für Pflegeberufe und pädagogische Berufe, sowie dem Fortbildungszentrum Podokolleg nehmen derzeit rund 450 Personen die vielfältigen Bildungsangebote wahr.

 

Gemeinsam Schule gestalten

 

 

Die Schüler der Berufsfachschulen des KWA Bildungszentrums haben die Möglichkeit, sich auf vielen Ebenen aktiv ins Schulleben einzubringen. In der Schülermitverantwortung (SMV) gestalten gewählte Schülersprecher mit Ideen und Engagement die Schulen und das Schulwesen mit. Sie stehen auch bei Fragen, Anliegen oder Vorschlägen gerne als Ansprechpartner zur Verfügung: apsp-smv@kwa.de

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